Designer Albrecht Graf Goertz verstorben | Click to enlarge |
"Mit Albrecht Graf Goertz verliert BMW nicht nur den Schöpfer des BMW 503 und 507, eines der schönsten Automobile überhaupt. Vielmehr muss sich die Designkultur von einem seiner leidenschaftlichsten Vertreter verabschieden, der sowohl das Autodesign im Herzen trug als auch kreativ und erfolgreich in allen Designfeldern war", so Christopher Bangle, Leiter BMW Group Design.
Am 12. Januar 1914 wurde Albrecht Graf Goertz in Brunkensen in der Nähe von Hannover als zweiter Sohn eines alten deutschen Adelsgeschlechts geboren. Seine Kindheit und Jugend verlebte Goertz mit seinen Geschwistern auf dem elterlichen Gut in Brunkensen. 1933 begann er eine Ausbildung bei der Deutschen Bank in Hamburg. Nach eineinhalb Jahren wechselte er zu der Londoner Privatbank Helbert Wagg & Company. 1935 beschloss Goertz, seiner Heimat den Rücken zu kehren. Er beantragte ein Einreisevisum in die USA und verließ im Herbst 1936 Europa.
Drei Jahre später kam sein erstes eigenes Auto auf die Straße. Nach seinem Entwurf entstand ein Einzelstück auf Basis eines Ford Mercury, der schwungvolle "Paragon". Das zweitürige Coupé mit verkleideten Hinterrädern und eigenwilligen hinteren Seitenfenstern war 1939 für einige Wochen auf der Weltausstellung in San Francisco zu sehen.
1940 wurde Goertz in die US Army einberufen und leistete fünf Jahre lang seinen Dienst an der pazifischen Front. Nach seiner Rückkehr ins zivile Leben 1945 lernte er Raymond Loewy kennen. Loewy war zu dieser Zeit der herausragende Vertreter des Industriedesigns und verhalf Goertz zu einem Studium am Pratt Institute in Brooklyn. Anschließend stellte er ihn als Junior Designer in seiner Studebaker-Entwicklungsabteilung ein, wo Goertz zusammen mit einem Kollegen das erfolgreiche Facelift des Studebaker Champion entwirft - die so genannte "Bullet Nose". Nach zweieinhalb Jahren trennten sich die Wege von Goertz und Loewy. Goertz eröffnete 1953 schließlich sein eigenes Design- Studio: Goertz Industrial Design, Inc. New York.
Den Weg zu BMW ebnete ihm Max Hoffmann. Der gebürtige Österreicher und größte Autohändler in New York galt in den 1950er Jahren als der bedeutendste Importeur für europäische Luxusfahrzeuge in Übersee und vertrieb Prestigemarken wie Mercedes, Porsche und BMW. Sein Einfluss war so groß, dass die Werke ihm frühzeitig Einblick in ihre Planungen gewährten. Dementsprechend bat auch BMW um Begutachtung seines Sportwagenprojekts, einem Roadster mit V8 Motor. Die ersten Entwürfe gefielen Hoffmann jedoch nicht. Er gab dem jungen Designer Goertz den Tipp, einige Skizzen für einen Sportwagen anzufertigen und nach München zu schicken. Die Entwürfe fanden dort spontan Gefallen, und zwei Wochen später erhielt er von BMW eine Einladung nach München. Im Januar 1955 wurden die Verträge geschlossen.
Als technische Basis für den neune Sportwagen diente das um 35,5 Zentimeter verkürzte Chassis der BMW 502 3,2 Liter Super- Limousine. Parallel zu diesem Zweisitzer unter der Bezeichnung 507 wurde Goertz nach kurzer Zeit die Verantwortung für ein weiteres Projekt übertragen: Nach der Vorarbeit von Kurt Bredschneider entwickelte er das Modell 503, ein ebenfalls vornehmlich für den amerikanischen Markt geplanter Luxusreisewagen als Cabriolet und Coupé. In weniger als einem Jahr entstand so das Coupè und Cabrio BMW 503 und der Roadster 507. Auf der Automobilausstellung in Frankfurt wird der BMW 507 als "Traum von der Isar" gefeiert und ist zusammen mit dem BMW 503 der Star der Ausstellung. Für den Schöpfer der legendären Luxuskarossen bedeuten die Entwürfe den internationalen Durchbruch.
Goertz wurde mit Bertone, Pinin Farina und anderen Designern von Weltrang verglichen. "Wenn ich jemand mit einem Auto emotional ansprechen kann, gelingt mir das auch mit einem anderen Produkt", ist Goertz überzeugt. Und sein Erfolg gibt ihm Recht. Auftraggeber aus allen Branchen engagieren den Designer. Von seinem Studio in den USA aus, wo Goertz noch immer seinen Hauptwohnsitz hatte, reist er in der Folgezeit um den ganzen Globus und gestaltet Gebrauchsgegenstände verschiedenster Art. In den 1990er Jahren wählte Goertz wieder das elterliche Gut in Brunkensen als Lebensmittelpunkt. Auch von dort aus war er auch weiter als Designer tätig.
05 November 2006
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