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Millionen-Investitionen in indische Audi Produktion

Millionen-Investitionen in indische Audi Produktion
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Albrecht Reimold und all die anderen Projektbeteiligten haben bereits einige Erfahrung mit der Konzeption und dem Aufbau von Automobilproduktionen im Ausland. „Unsere Fertigung in China zum Beispiel war schon eine Herausforderung. Und trotzdem ist in jedem neuen Land alles wieder ein wenig anders, ungewohnt, exotisch.“ Das gilt natürlich auch für die neue Audi Produktion in Indien, die der Fertigungsplaner aus Neckarsulm nach dem Vorbild der Kleinserienfertigung des Supersportwagens Audi R8 mit aufbaute.

Dass auch das Material rechtzeitig an der Montagelinie in der Millionenstadt Aurangabad im Bundesstaat Maharashtra ankommt, ist eine logistische Meisterleistung. „Die Bauteile, Module und lackierten Karosserien des Audi A6 werden mit dem Zug, dem Schiff und dem Lkw transportiert. Dabei legt die Fracht eine Strecke von mehr als 11.000 Kilometern zurück“, sagt Dr. Ernst-Hermann Krog, Leiter der Audi Markenlogistik und Projektverantwortlicher für das Indien-Engagement.

Logistik und Fertigung funktionieren einwandfrei: Seit kurzem rollen in Aurangabad Audi A6 aus der Werkshalle. Und schon Ende 2008 wird auch der neue Audi A4 aus indischer Produktion kommen. Mehr als 30 Millionen Euro investiert die Marke mit den vier Ringen bis 2015 allein in die Fertigung auf dem Subkontinent.

Bei der Auswahl des indischen Audi Standortes überzeugte das Konzernwerk SAIPL (Skoda Auto India Private Limited) in Aurangabad gleich in mehreren Punkten. „Audi nutzt dort eine hervorragende Infrastruktur, ausgereifte Arbeitsprozesse, die große Zahl qualifizierter Arbeitskräfte und die günstigen logistischen Gegebenheiten“, beschreibt es Frank Dreves, Produktionsvorstand AUDI AG.

Die Marschrichtung für das Niveau dieser zweiten Automobilfertigung von Audi im asiatischen Raum (nach Changchun in China) gibt er eindeutig vor: „Höchste Qualität ist für Audi ein weltweiter Standard –‚Made by Audi’ eben. Dafür sorgt auch dort eine hochqualifizierte und motivierte Mannschaft“, so Dreves.

Einer aus dieser Mannschaft ist Rajiv Jakhmola. Der 34-jährige ist Schichtleiter in der A6-Fertigung und erinnert sich an die Anfänge: „Audi ist eine Luxusmarke, entsprechend hochwertig sind die Autos. Den Audi A6 in der erforderlichen Qualität zu bauen, war für uns eine besondere Herausforderung.“ Dafür kamen 16 indische Mitarbeiter, unter ihnen auch Jakhmola, zwischen April und Mai 2007 für fünf Wochen zu einer intensiven Schulung an den Standort Neckarsulm. Dort hatte Audi im benachbarten Gewerbe- und Industriepark Bad Friedrichshall die komplette Fertigung als sogenanntes „Try Out“ aufgebaut – also genau so, wie sie später in Indien realisierte wurde.

„Wir kannten vor allem die unterschiedlichen Varianten bei ein und demselben Modell nicht. Und auch die hochmoderne Prüftechnik sowie die Montage komplexer Elektronik-Komponenten waren Neuland für uns“, so Jakhmola. Seine Schulungszeit in Deutschland hat er in ausgesprochen guter Erinnerung: „Wir wurden hier aufgenommen, wie in einer großen Familie. Nur an die Küche konnten wir uns nicht so richtig gewöhnen.“

An neue Fertigungsanlagen mussten sich Jakhmola und seine Kollegen nach der Rückkehr in die Heimat nicht gewöhnen. Die Anlagen vom Try Out wurden nämlich unmittelbar nach Abschluss der Schulung in Deutschland demontiert, nach Indien verschifft und in Aurangabad 1:1 wieder aufgebaut. In fünf Arbeitstakten zu jeweils 90 Minuten wird dort nun der aus rund 2.500 Teilen bestehende Audi A6 zusammengebaut.

Die Halle für die A6-Fertigung ist von überschaubarer Größe, kein Vergleich mit riesigen Industrieanlagen. Sie ist hell und in den Farben Silber, Hellgrau und Weiß gehalten. Alles wirkt gediegen und gleichzeitig ein wenig „familiär“. Das gesamte Produktionskonzept lehnt sich an die Kleinserienfertigung des Supersportwagens Audi R8 am Standort Neckarsulm an.

Das Material in der Montage wird mit so genannten Warenkörben an den Montagetakten bereitgestellt. Die Bestückung der Warenkörbe erfolgt durch Logistikmitarbeiter. Das Prinzip des Warenkorbs ist ähnlich wie in einem normalen Supermarkt: Auf einem Warenkorb werden die zu verbauenden Teile für exakt ein Fahrzeug im Supermarkt kommissioniert. Der Mitarbeiter an der Montagelinie erhält auf dem Warenkorb das Material für das aktuelle Fahrzeug am Takt. Das heißt, er muss nicht mehr für jedes Teil den „Werkerbereich“ verlassen, sondern entnimmt das vorkommissionierte Material aus dem Warenkorb.

Durch den Einsatz von Warenkörben hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, sein notwendiges Material für den Montageumfang in unmittelbare Nähe (Griffweite 20 Zentimeter) zum Fahrzeug zu bringen.  Das bedeutet, der Inhalt des Warenkorbs ist im ergonomischen Griffbereich. Die Warenkörbe sind mit Einsätzen versehen, so dass insbesondere lackierte Teile nicht beschädigt werden können. Außerdem hat jedes Bauteil in diesen Einsätzen seinen definierten Platz (Ordnung und Sauberkeit).

Die Verbaureihenfolge wird durch eine Nummerierung der Bauteile auf dem Warenkorb vorgegeben und visualisiert. Dadurch erhält der Mitarbeiter eine Verbaukontrolle. Will heißen: Die Montageumfänge des Taktes sind abgeschlossen, wenn der Warenkorb leer ist. So werden die Laufwege reduziert und die Prozesssicherheit erhöht.

Die Einteilung des Supermarktes in Zonen ist auf die einzelnen Warenkörbe angepasst. Jedes Norm- bzw. Kleinteil hat seinen genau definierten Platz in einem Kleinteilemagazin, so wie die Position jedes Werkzeugs auf dem Montagewagen vorgegeben ist. Zudem sind alle Werkzeuge farblich gekennzeichnet und somit einem Takt zugeordnet. Dadurch wird sichergestellt, dass kein „falsches“ Werkzeug verwendet wird.

Komplett aus Deutschland angeliefert werden neben den lackierten Karosserien unter anderem auch die Motoren oder die Hinterachse. Im indischen Werk vormontiert werden das Cockpit, Frontend, Vordersitze, Türen, Fußhebelwerk und Mittelkonsole.

Derzeit sind 35 Mitarbeiter an der Audi Produktionslinie sowie mit der Qualitätssicherung und der Logistik in Aurangabad beschäftigt. Bis Ende 2008 wird die Zahl auf mehr als 50 aufgestockt. Im Einschicht-Betrieb werden im nächsten Jahr mehr als 300 A6 Limousinen montiert.

Der Audi A6 wird in Indien mit dem 2.8 FSI-, dem 2.7 TDI- sowie dem 3.0 TDI-Aggregat gebaut. Im kommenden Jahr wird eine vierte Motorisierung hinzukommen. Der indische Kunde kann dabei aus den Außenfarben Ibisweiß, Phantomschwarz Perleffekt, Lichtsilber Metallic und Nachtblau Perleffekt sowie vier verschiedenen Innenfarben und zwei Ausstattungspaketen auswählen.

Dieses Material hat zuvor eine lange Reise hinter sich gebracht. Mit dem Zug werden die Container zum Seehafen nach Hamburg transportiert. Von dort geht es mit dem Schiff über die Mittelmeer-Route und den Suezkanal zum Hafen Nhava Sheva in Mumbai – das sind rund 11.000 Kilometer in 22 Tagen. Die letzten 480 Kilometer von Mumbai nach Aurangabad werden mit dem Lkw bewältigt. Und Chef-Logistiker Krog weiß: „Gerade dieses letzte Stück ist angesichts der indischen Straßenverhältnisse sicherlich an manchen Stellen ein Abenteuer.“

Aus strategischer Sicht ist die Markterschließung von Indien alles andere als ein Abenteuer. Audi setzt mit diesem Schritt die weltweite Erfolgsgeschichte und den Wachstumskurs des Unternehmens fort und investiert langfristig in einen  der aussichtsreichsten automobilen Märkte der Zukunft. „Der Start der eigenen Produktion ist der beste Weg, um den aussichtsreichen indischen Wachstumsmarkt adäquat bedienen zu können“, sagt Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG. „Indien ist einer der Bausteine in unserer Strategie 2015 mit einem angepeilten Volumen von 1,5 Millionen Automobilen pro Jahr weltweit. Auch in Indien wollen wir die erfolgreichste Premiummarke werden“, betont Stadler.

Daher wird auch die Präsenz auf dem indischen Subkontinent sukzessive ausgebaut. Den Anfang macht ab Ende 2008 der neue Audi A4, für den im Werk Aurangabad eine zusätzliche Fertigungslinie aufgebaut wird. Bis 2015 sollen dann pro Jahr bis zu 7.000 Audi Modelle vom indischen Montageband rollen – davon mehr als 2.000 Audi A6 Limousinen.

Neben der exklusiven Audi Produktion trägt vor allem der konsequente Auf- und Ausbau der Vertriebs- und Handelsstruktur zur wachsenden Präsenz im indischen Markt bei. Audi ist bereits seit etwa drei Jahren im indischen Markt erfolgreich vertreten. Im  Frühjahr 2007 wurde eine eigene Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Mumbai installiert, von der alle indischen Marktaktivitäten gesteuert werden.

Mit dem Start der lokalen Montage hat Audi die Preise für den Audi A6 angepasst. Für Kunden liegt der Preisvorteil aufgrund der günstigeren Zölle je nach Motor zwischen 140.000 und 210.000 indischen Rupien (INR)  – das sind umgerechnet 2.500 bis 3.800 Euro pro Fahrzeug. Neben der A6-Fertigung für den indischen Markt werden weitere Modelle wie der Audi A4, Audi A8, Audi Q7 und Audi TT importiert.


03 Januar 2008
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